Wie setzen sich die italienischen Rechtsanwaltskosten zusammen?

Die italienische Rechtsanwaltsvergütung wurde mit dem neuen Berufsgesetz (Art. 13 Abs. 6 Staatsgesetz vom 31.12.2012 Nr. 247) grundlegend reformiert.
Demnach gibt es eine gesetzliche Vergütungsregelung, welche mangels Honorarvereinbarung gilt.
Die neuen Parameter sind seit 03.04.2014 in Kraft und finden für alle noch nicht abgeschlossenen Mandate mangels Honorarvereinbarung Anwendung.
 
A) Die neuen gesetzlichen Parameter 2014 (Ministerialdekret 55/2014)


Das Entgelt des italienischen Rechsanwalts (Avvocato) richtet sich
nach Streitwertklassen und sieht getrennt nach Verfahrensabschnitten ein Entgelt vor, welches je nach konkretem Aufwand, Schwierigkeit, Komplexität, Dringlichkeit und Güte der Leistung vermindert oder erhöht werden kann.
Folgende Verfahrensabschnitte (Phasen) sind im Rahmen eines ordentlichen Zivilverfahrens vorgesehen:

- Studium des Falls
- Einleitung des Verfahrens
- Instruktion / Erörterung
- Entscheidung
- Zwangsvollstreckung

B) Honorarvereinbarung
(Art. 13 Abs. 2 Staatsgesetz vom 31.12.2012 Nr. 247):

Es kann mit dem italienischen Rechtsanwalt in schriftlicher Form eine Honorarvereinbarung getroffen werden, zB. fixem Stundensatz oder nach einzelnen Verfahrensschritten oder Tätigkeiten. Auch ist es möglich, je nach Fall eine reine oder gemischte erfolgsorientierte Honorarvereinbarung zu treffen ("success fee"), ohne dass der Rechtsanwalt jedoch am Streitgegenstand beteiligt wird.

Das Entgelt versteht sich sowohl im Falle der gesetzlichen Parameter A) wie auch im Falle einer Honorarvereinbarung B) stets netto, es kommen also auf jeden Fall folgende Posten hinzu: 15% Allgemeinspesen, 4% gesetzlicher Anwaltsfürsorgekassenbeitrag (dieser Anteil geht laut Gesetz zu Lasten des Klienten), 22% Mehrwertsteuer (ausgenommen ausländische Unternehmen und Freiberufler - hier gilt die "reverse charge"), allfällige Barauslagen, Kopierkosten, Telekommunikationsoksten, Reisekosten, Stempelgebühren, Registersteuer, Übersetzungs- und Gutschterkosten sowie Domizilierungskosten.

Bei Bestehen einer Rechtsschutzversicherung wird um rechtzeitige Übermittlung der Polizze zwecks Deckungsanfrage ersucht.

Die Kanzlei Dr. Ulrich Stoll arbeitet mit allen international tätigen Rechtsschutzversicherungen (zB. Allianz, Generali, Roland, D.A.S.) zusammen.